Kaufen oder Mieten: Was lohnt sich finanziell mehr?

Kaufen oder Mieten? Echte Kosten von Immobilienkauf und Miete, Nebenkosten, Break-even-Rechnung und Kaufpreisfaktor – mit Hypothekenrechner zum Selberrechnen.

Die eigentliche Frage

„Soll ich kaufen oder mieten?“ ist eine der größten finanziellen Entscheidungen deines Lebens. Die Antwort lautet nicht automatisch „Kaufen baut Vermögen auf“. Sie hängt von deiner Situation, dem Markt und davon ab, wie lange du bleiben willst.

Rechne mit deinen eigenen Zahlen

Mit dem Rechner siehst du, wie hoch deine monatliche Rate ausfallen würde:

Kaufpreis ($)
Anteil (%)
Betrag ($)
Aufteilung der Rate

PMI fällt an, wenn die Anzahlung unter 20 % liegt

Wird zusätzlich zur Rate getilgt, verkürzt die Laufzeit und spart Zinsen.

Ergebnis

Gesamtrate pro Monat

$2.422,62

Tilgung & Zinsen
$2.022,62
Grundsteuer
$300,00
Versicherung
$100,00

Darlehensbetrag

$320.000

Gesamtzinsen

$408.142

Gesamtkosten (30 Jahre)

$952.142

M = P × [r(1+r)^n] / [(1+r)^n − 1]

P = $320.000, r = 6,5%/12 = 0,5417%, n = 360

Tilgung & Zinsen = $2.022,62/Mon.

+ Grundsteuer $300 + Versicherung $100

= $2.422,62/Mon.

Die wahren Kosten des Kaufens

Die meisten schauen nur auf die Darlehensrate, dabei kommen beim Hauskauf viele versteckte Kosten dazu:

Einmalige Kosten

KostenpunktTypischer Betrag
EigenkapitalJe nach Bank, oft 20 % des Kaufpreises oder mehr
Grunderwerbsteuer3,5 bis 6,5 % des Kaufpreises, je nach Bundesland
Notar und GrundbuchZusammen grob 1,5 bis 2 % des Kaufpreises
Maklerprovision (falls ein Makler im Spiel ist)Der Käuferanteil beträgt oft rund 3 % des Kaufpreises
Umzug und RenovierungSehr unterschiedlich, oft einige Tausend Euro

Zusammen kommen die Kaufnebenkosten je nach Bundesland und Makler auf grob 5 bis 12 % des Kaufpreises. Sie sind meist aus Eigenkapital zu zahlen, weil Banken sie ungern mitfinanzieren. Bei einem Haus für 400.000 € und 10 % Nebenkosten brauchst du also 40.000 € extra, noch bevor du einziehst.

Laufende Kosten (zusätzlich zur Rate)

KostenpunktRichtwert
GrundsteuerAbhängig vom Hebesatz der Gemeinde
WohngebäudeversicherungJe nach Objekt, oft mehrere hundert Euro pro Jahr
Instandhaltung und ReparaturenFaustregel 1–2 % des Immobilienwerts pro Jahr
Hausgeld (bei Eigentumswohnungen)Monatlich, enthält Verwaltung und Instandhaltungsrücklage

Die Grundsteuer gibt es in Deutschland ebenso wie in den USA. Dort liegt sie meist deutlich höher und beeinflusst direkt die Monatsrate; wie das funktioniert, erklärt unser Artikel zur US-Property-Tax.

Beispiel: Ein Haus für 400.000 € mit einem Darlehen über 320.000 € (80 % Finanzierung) bei 4 % Zins und 30 Jahren Laufzeit:

  • Darlehensrate (Annuität): 1.528 € pro Monat
  • Grundsteuer: 100 € pro Monat (angenommen)
  • Versicherung: 40 € pro Monat (angenommen)
  • Instandhaltung: 333 € pro Monat (1 % pro Jahr)
  • Echte monatliche Kosten: 2.001 €

Das sind rund 31 % mehr als die Darlehensrate allein, und die Kaufnebenkosten sind darin noch gar nicht enthalten. Echte Banken arbeiten oft mit anfänglicher Tilgung, Zinsbindung und Anschlussfinanzierung, deshalb ist das Beispiel eine Vereinfachung.

Die wahren Kosten des Mietens

Mieten ist einfacher, aber kein „Geld zum Fenster rauswerfen“:

KostenpunktTypischer Betrag
Monatliche MieteJe nach Markt unterschiedlich
HausratversicherungEher wenig pro Monat
MietkautionHöchstens drei Monatskaltmieten
UmzugskostenMeist deutlich geringer als beim Kauf

Vorteile des Mietens:

  • Keine Verantwortung für Instandhaltung
  • Flexibilität beim Umziehen
  • Kein Marktrisiko
  • Geringere Anfangskosten
  • Du kannst die Differenz anlegen

Die Break-even-Rechnung

Die Kernfrage: Wie lange musst du bleiben, damit sich Kaufen gegenüber Mieten lohnt?

Der typische Break-even liegt bei 5 bis 7 Jahren, schwankt aber je nach Markt stark. Wegen der hohen Kaufnebenkosten dauert es in Deutschland oft eher am oberen Ende oder länger.

FaktorSpricht für KaufenSpricht für Mieten
Zeithorizont7+ JahreUnter 5 Jahre
MarkttrendPreise steigenSeitwärts oder fallend
ZinsenNiedrigHoch
Miete vs. RateMiete höher als RateMiete niedriger als Rate
Eigenkapital20 % vorhandenWürde die Ersparnisse aufbrauchen
JobsicherheitStabil/vor OrtUmzug möglich

Das Anlage-Argument

„Aber du baust doch Vermögen auf!“ Ja, aber bedenke die Opportunitätskosten:

Wenn du stattdessen das Eigenkapital plus die monatliche Kostendifferenz anlegst:

Szenario: Haus für 400.000 € vs. Miete von 1.600 € pro Monat

  • Nicht investiertes Kapital (80.000 € Eigenkapital + 40.000 € Kaufnebenkosten): 120.000 €
  • Monatliche Kostendifferenz: 401 € (2.001 € − 1.600 €)
  • Bei 5 % Rendite pro Jahr über 10 Jahre:
    • Wertpapierdepot: rund 257.700 €
    • Eigenkapital im Haus nach 10 Jahren: rund 235.500 € (bei 2 % Wertsteigerung pro Jahr und Tilgung des Darlehens, ohne Verkaufskosten)

Die Rechnung ist vereinfacht: Steuern, Hebelwirkung und die lokale Preisentwicklung verändern das Ergebnis. Aber sie zeigt, dass Mieten und Anlegen mit dem Kaufen mithalten kann. Beachte auch: Wer die selbst genutzte Immobilie verkauft, zahlt bei Eigennutzung in der Regel keine Steuer auf den Gewinn, während Kursgewinne an der Börse besteuert werden. Das spricht wiederum für das Haus.

Wann Kaufen gewinnt

  1. Du bleibst 7+ Jahre. Genug Zeit, um die Kaufnebenkosten wieder hereinzuholen und Vermögen aufzubauen
  2. Rate ≤ vergleichbare Miete. Selten, kommt aber in manchen Märkten vor
  3. Du willst Stabilität. Kein Vermieter, der über deine Wohnung entscheidet, und mit Zinsbindung planbare Wohnkosten (die Grundsteuer und Instandhaltung können trotzdem steigen; in den USA treibt auch die Property-Tax-Escrow die Rate nach oben)
  4. Starke lokale Wertsteigerung. Märkte, die schneller wachsen als der Aktienmarkt
  5. Du zahlst im Alter keine Miete mehr. Eine abbezahlte Immobilie senkt deine Wohnkosten im Ruhestand. Anders als in den USA kannst du bei Selbstnutzung die Darlehenszinsen in Deutschland allerdings nicht von der Steuer absetzen

Wann Mieten gewinnt

  1. Du ziehst vielleicht innerhalb von 5 Jahren um. Die Kaufnebenkosten fressen dein Eigenkapital auf
  2. Dein Markt ist überhitzt. Ein Kaufpreisfaktor über 20 deutet darauf hin, dass Mieten günstiger ist
  3. Du würdest deine Reserve aufbrauchen. Das Eigenkapital sollte dich nicht „hauspleite“ machen
  4. Dir ist Flexibilität wichtig. Jobwechsel, Lebensumstände, Ortswechsel
  5. Du kannst die Differenz anlegen. Wer diszipliniert investiert, kann besser abschneiden

Der Kaufpreisfaktor

Ein schneller Check für deinen Markt, in Deutschland auch Vervielfältiger genannt:

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete

FaktorEinordnung
Unter 15Kaufen ist wahrscheinlich besser
15–20Kann in beide Richtungen gehen
Über 20Mieten ist wahrscheinlich besser

Beispiel: Haus für 400.000 €, Kaltmiete 1.600 € pro Monat → 400.000 ÷ 19.200 = 20,8 (Grenzfall, leicht Richtung Mieten)

Das ist nur eine Faustregel für einen schnellen Marktvergleich, keine Kaufempfehlung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die echten Kosten des Eigentums liegen deutlich über der Darlehensrate (im Beispiel rund 31 %), plus einmalige Kaufnebenkosten
  • Der typische Break-even für den Kauf liegt bei 5 bis 7 Jahren, in Deutschland wegen der Nebenkosten oft eher länger
  • Mieten und die Differenz anlegen kann finanziell mithalten
  • Der Kaufpreisfaktor ist ein schneller Marktindikator
  • Dein Zeithorizont und dein Bedarf an Flexibilität zählen mehr als „Vermögen aufbauen“
  • Rechne mit deinen eigenen Zahlen: Eine universelle Antwort gibt es nicht

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