Du brauchst nicht viel Geld, um anzufangen
Der größte Mythos über das Geldanlegen: Du bräuchtest tausende Euro. Brauchst du nicht. Viele Broker bieten ETF-Sparpläne schon mit kleinen monatlichen Beträgen an, und oft kannst du auch Bruchstücke von Wertpapieren kaufen.
Was du brauchst, ist Zeit. Je früher du startest, desto stärker wirkt der Zinseszins für dich.
So könnte dein Geld wachsen
Mit unserem Anlagerechner siehst du, wie sich dein Vermögen entwickeln kann:
Die wichtigsten Grundbegriffe
1. Aktien, Anleihen und Tagesgeld
| Anlageart | Risiko | Durchschnittliche Rendite | Passt für |
|---|---|---|---|
| Aktien | Hoch | historisch grob 7–8 % pro Jahr | Langfristiger Vermögensaufbau (10+ Jahre) |
| Anleihen | Niedrig bis mittel | grob 2–4 % pro Jahr | Stabilität, laufende Erträge |
| Tagesgeld/Festgeld | Sehr niedrig | je nach Zinsniveau | Notgroschen, kurze Zeiträume |
Die Renditen sind grobe historische Größenordnungen und keine Versprechen. In schlechten Jahren können Aktien deutlich im Minus liegen.
Aktien sind Anteile an Unternehmen. Sie schwanken, haben aber über lange Zeiträume (10+ Jahre) in der Vergangenheit meist besser abgeschnitten als andere Anlageklassen.
Anleihen sind Kredite an Staaten oder Unternehmen. Sie zahlen regelmäßig Zinsen und sind stabiler, wachsen aber langsamer.
Die zentrale Einsicht: Wer jung ist, kann einen hohen Aktienanteil wählen. Du hast Jahrzehnte Zeit, Kursrückgänge auszusitzen.
2. Index-ETFs — die einfachste Strategie
Ein Index-ETF bildet einen ganzen Aktienindex nach, etwa den MSCI World oder den S&P 500. Statt einzelne Aktien auszusuchen, besitzt du mit einem einzigen Produkt winzige Anteile an hunderten oder tausenden Unternehmen.
Warum Index-ETFs so oft gewinnen:
| Faktor | Index-ETF | Einzelaktien |
|---|---|---|
| Streuung | hunderte bis tausende Firmen | 1 Firma |
| Kosten | oft 0,1–0,3 % pro Jahr | Ordergebühr je Kauf |
| Zeitaufwand | Minuten pro Jahr | Stunden pro Woche |
| Schlagen Profis? | Über 15–20 Jahre liegt die Mehrheit der aktiven Fonds hinter ihrem Index | — |
Auch Warren Buffett empfiehlt für die meisten Anleger Index-Fonds. Er wettete 2008 um 1 Million Dollar, dass ein S&P-500-Indexfonds über 10 Jahre besser abschneiden würde als eine Auswahl von Hedgefonds, und gewann die Wette.
3. Die Aufteilung: Aktien und Anleihen
Wie du dein Geld zwischen Aktien und Anleihen aufteilst, ist oft wichtiger als die Wahl eines einzelnen Produkts:
| Alter | Aktien | Anleihen | Logik |
|---|---|---|---|
| 20er–30er | 90–100 % | 0–10 % | Jahrzehnte Zeit, um Verluste aufzuholen |
| 40er | 80 % | 20 % | Noch langer Anlagehorizont |
| 50er | 60–70 % | 30–40 % | Ruhestand rückt näher |
| 60+ | 40–50 % | 50–60 % | Kapital bewahren |
Faustregel: 110 minus Lebensalter = Aktienanteil in Prozent. Mit 30 Jahren hieltest du demnach 80 % Aktien.
So fängst du konkret an
Schritt 1: Zuerst der Notgroschen
Bevor du investierst, lege 3 bis 6 Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto zurück. Geld anzulegen, das du nächsten Monat brauchen könntest, ist Glücksspiel und kein Investieren. Ein Tagesgeldkonto oder ein kurzfristiges Festgeld eignet sich für diese Ebene gut.
Schritt 2: Depot eröffnen
Achte bei der Wahl eines Brokers auf:
- Kosten für Sparplan, Kauf und Depotführung
- Angebot an günstigen ETFs, die dein Ziel abdecken
- Einlagensicherung und Verwahrung: Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und bei einer Pleite des Brokers grundsätzlich geschützt
- Bedienung: Die App oder das Webportal sollte für dich verständlich sein
Schritt 3: Wähle deine Produkte
Ein einfaches Einstiegsportfolio:
| Produkttyp | Beispiel | Wofür |
|---|---|---|
| Welt-Aktien-ETF | MSCI World oder FTSE All-World | Breit gestreut in Industrie- und Schwellenländer |
| Anleihen-ETF (optional) | Staatsanleihen-ETF | Stabilisiert das Depot |
| Tagesgeld | Bankkonto | Notgroschen |
Der einfachste Weg: Ein einziger Welt-ETF genügt für den Start. Eine Rendite ist damit nicht garantiert, aber die breite Streuung senkt das Risiko einzelner Firmenpleiten stark.
Schritt 4: Automatisiere
Richte einen automatischen monatlichen Sparplan ein. So nimmst du Emotionen aus der Rechnung und investierst konsequent, in guten wie in schlechten Börsenzeiten. Zahlt dein Arbeitgeber einen Zuschuss zur Altersvorsorge (in den USA heißt das 401(k) mit Matching), ist es die renditestärkste Entscheidung, diesen Zuschuss voll mitzunehmen.
Cost-Average-Effekt: Wer jeden Monat denselben Betrag anlegt, kauft bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger.
Steuern kurz erklärt
Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 % (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Dank des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 € pro Person und Jahr bleiben Erträge bis zu dieser Höhe steuerfrei, wenn du deinem Broker einen Freistellungsauftrag erteilst. Details und Sonderfälle, etwa bei thesaurierenden ETFs, solltest du bei Bedarf mit einer Steuerberatung klären.
Die Mathematik des frühen Starts
Bei 200 € pro Monat und einer angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr (monatliche Verzinsung, ohne Steuern und Kosten):
| Startalter | Monatliche Sparrate | Eingezahlt | Wert mit 65 |
|---|---|---|---|
| 25 | 200 € | 96.000 € | 524.963 € |
| 30 | 200 € | 84.000 € | 360.211 € |
| 35 | 200 € | 72.000 € | 243.994 € |
| 40 | 200 € | 60.000 € | 162.014 € |
Mit 25 statt 35 zu starten heißt nur 24.000 € mehr einzuzahlen, aber am Ende rund 281.000 € mehr zu haben. Das ist Zinseszins. Dieselbe Rechnung steckt hinter der Frage, wie viel du für den Ruhestand brauchst: Die Sparquote zählt weit mehr als die Wahl des „richtigen“ Produkts.
Typische Anfängerfehler
1. Den Markt timen wollen
„Ich warte auf den Crash und kaufe dann.“ Untersuchungen zeigen, dass Zeit im Markt mehr bringt als der richtige Zeitpunkt. Wer über Jahrzehnte nur ein paar der besten Börsentage verpasst, verliert einen großen Teil der Rendite.
2. Zu oft nachschauen
Täglich ins Depot zu schauen erzeugt Stress und schlechte Entscheidungen. Richte alles ein, automatisiere es und schau höchstens einmal im Quartal nach.
3. Bei Kursrückgängen in Panik verkaufen
Der Markt fällt ungefähr einmal im Jahr um 10 % oder mehr und etwa alle 3 bis 5 Jahre um 20 % oder mehr. Das ist normal. Bisher hat sich jeder große Crash irgendwann erholt. Wer im Tief verkauft, macht seine Verluste endgültig.
4. Hohe Kosten zahlen
1 % jährliche Kosten klingen wenig. Über 30 Jahre fressen sie aber rund ein Viertel deines Endvermögens (bei 7 % Brutto-Rendite: 1,06 statt 1,07 pro Jahr ergibt nach 30 Jahren etwa 75 % des Vermögens). Bleib bei günstigen Index-ETFs mit Gesamtkosten deutlich unter 0,5 % pro Jahr.
5. Nicht anfangen, weil es kompliziert wirkt
Die Lähmung durch zu viele Optionen ist real. Ein einziger breit gestreuter Welt-ETF ist ein völlig ausreichender Start. Optimieren kannst du später.
Das Wichtigste in Kürze
- Fang so früh wie möglich an: Zeit zählt mehr als die Höhe des Betrags
- Index-ETFs schlagen langfristig die Mehrheit der aktiven Fondsmanager
- Automatisiere die monatliche Sparrate, damit Emotionen keine Rolle spielen
- Der Notgroschen kommt vor dem Investieren
- Junge Anleger können einen hohen Aktienanteil halten (80–100 %)
- Versuche nicht, den Markt zu timen, und bleib in guten wie schlechten Zeiten investiert
- Halte die Kosten niedrig
- Heute unperfekt zu starten ist besser, als nächstes Jahr perfekt zu starten